Wandlungen & Inseln

Hangzhou 2017

Im September 2017 wurde mit dem Grand Canal Palace in Hangzhou ein weiteres Shopping Center der Superlative eröffnet. Auf 25.000 Quadratmetern gibt es nicht nur jede Menge Geschäfte und Restaurants, sondern auch eine 1000 Quadratmeter große LED-Wand und eine 153 Quadratmeter große Eisbahn. Unter dem Motto „Verbinden und Entdecken“ wurden elf chinesische Künstler von Anfang an in die Planungen integriert, mit der Aufgabe, die Mall mit eigens für diesen gigantischen Neubau konzipierten Installationen zu einem „Museum ohne Mauern“ zu machen. Um gegen den gerade auch in China florierenden Internethandel bestehen zu können, sollte die Mall zu einem Ort entwickelt werden, an dem man flanieren und nachdenken und seine kulturelle Identität finden kann.

Jiwei hat die Installationen „Wandlungen“ und „Inseln“ für die Kunstarkaden konzipiert.

Die Installation „Wandlungen“ ist eine kritische Auseinandersetzung mit der rasant fortschreitenden Urbanisierung, die Chinas derzeitige Entwicklung kennzeichnet:

Das Zentrum dieser 400 x 120 x 802 cm großen Installation besteht aus einer Platte aus unbehandeltem Stahl, auf die der Künstler, kaum sichtbar, verschiedene Farbschattierungen aufgetragen hat. Da die Installation im Freien steht, wird der Stahl rosten und sich im Zusammenspiel mit der aufgetragenen Farbe in einem Prozeß ständiger Veränderung befinden.

Nur durch einen schmalen Spalt von dieser Platte getrennt türmen sich auf Hochglanz polierte Elemente aus Edelstahl übereinander. Mit ihrer schillernden Formenvielfalt reflektieren sie ihre Umgebung, von der sie – je nach ihrer konvexen oder konkaven Form – ein sich ebenfalls stetig wandelndes Bild spiegeln.

Video 1 und Video 2: „Making of…“

Und so erklärt Jiwei seine Installation:

„Die Natur lässt die Erde unverändert. Aber die moderne Architektur gibt sich nicht mit der Befriedigung der existenziellen menschlichen Bedürfnisse zufrieden.
Sie will mehr, und gewinnt im Zuge stetig wachsender Wunscherfüllungen zusehends an Raum. Moderne Gebäude schaffen eine Verbindung zwischen der rationalen Logik des Bauens mit der Materie, die wir Natur nennen. Wissenschaft und die darauf aufbauende Produktion dringen gewaltsam ein in die Natur. Das Sichtbare besetzt das Unsichtbare.

Die Installation „Wandlungen“ will diese Beziehungen zwischen Architektur und Natur dekonstruieren. Dafür schließt sie die Ergebnisse der menschlichen Schaffenskraft im äußeren Ring der Installation zu einer Art Mauer zusammen, in der sich lineare und anderweitige Formen sowohl miteinander verschränken und vergleichen – die ganze Vielfalt der menschlichen Begierden, die sich in eine so ganz andere Richtung entwickelt als der in sich ruhende, die Natur symbolisierende Mittelteil der Installation. Durch den wechselnden Fokus auf das Innen und Außen offenbart sich die kritische Spannung zwischen der Eigengesetzlichkeit der Natur und dem widersprüchlichen Verhalten der Menschen. Hinter den schillernden Formen der Installation verbergen sich konträre Aussagen zu den Themenpaaren Natur und Leben, Gleichgewicht und Kampf. Der schmale Spalt zwischen dem inneren und dem äußeren Teil der Installation ist mein Kommentar zu den realen und komplexen Verbindungen und den Wandlungen, die das Verhältnis des Menschen zur Erde kennzeichnen.“

Jiweis zweite Installation „Inseln“ befindet sich im Innenraum der Kunstarkaden: Mit sich überlappenden Bildern bedruckte, durchsichtige Scheiben sind so aufgehängt, dass sie eine aus drei halb-abstrakten Inseln bestehende transparente Landschaft formen. Während eine Insel sich langsam um die eigene Achse dreht, bleiben die beiden anderen Inseln in ihrer ursprünglichen Position stehen. Mit diesem Spiel aus Dynamik und Statik reflektiert Li Jiwei die wechselvollen Beziehungen zwischen Evolution und Stillstand, wie sie sich in hunderten von Millionen Jahren in der Natur abgespielt haben.

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